Leipziger Buchloge 2008

Brüderlichkeit, Menschliebe, Toleranz – Leipziger Freimaurer laden zur Buchloge am Völkerschlachtdenkmal / 140 Besucher aus ganz Deutschland

Wenn das Clemens Thieme noch erlebt hätte, dass sich eines schönen Tages Freimaurer-Brüder aus der gesamten Bundesrepublik in seinem architektonischen Meisterwerk, dem Völkerschlachtdenkmal, zur so genannten Tempelarbeit einfinden würden! So geschehen am vergangenen Sonnabend, an dem die Leipziger Freimaurer-Loge „Minerva zu den drei Palmen Nr. 7“ im Rahmen der Buchmesse zur ersten Buchloge geladen hatte.

„Unsere Überlegungen waren die“, so Klaus Kieswimmer, der bei den Freimaurern „Meister des Stuhls“ genannte Vereinsvorsitzende der Leipziger Minerva-Loge, „dass anlässlich einer solchen Messe sicherlich auch sehr viele Brüder aus anderen bundesdeutschen Logen den Weg nach Leipzig finden werden und es sich deshalb anbieten würde, mit ihnen gemeinsame Arbeit zu verrichten. Zumal wir mit dem Völkerschlachtdenkmal eine Örtlichkeit haben, die sich wie keine zweite für unser Anliegen eignet, gehörte doch dessen Architekt der Leipziger Apollo-Loge an und ist sein Grundgedanke und Sinngehalt ein zutiefst freimaurerischer.“

Eine Einschätzung, der am Sonnabend rund 140 Freimaurer aus 66 bundesdeutschen Logen folgten, um im Fundament des knapp 95-Jahre alten Monuments sich ihrer rituellen „Arbeit“ in Form von Disputationen über grundlegende menschliche und abseits von Politik und Religion angesiedelte Werte wie Brüderlichkeit, allgemeine Menschenliebe und Toleranz zu widmen.

„Wir haben durchweg positive Resonanzen erhalten, ja die Brüder waren geradezu begeistert von diesem ungewöhnlichen Ort“, so der aus dem Oberbayrischen stammende „Meister des Stuhls“, der den Vereinsvorsitz seit gut zwei Jahren innehat. In dieser Rolle leitet er auch das in Form eines zwischen den einzelnen Funktionsträgern nach festgelegten Texten verlaufende rituelle Zwiegespräch, die so genannte „Arbeit“, die von den derzeit 38 Leipziger Minerva-Brüdern, die – sofern nicht ausnahmsweise auf das Völkerschlachtdenkmal ausgewichen wird – im Tempelzimmer des Vereinshauses im Leipziger Süden verrichtet wird.

Dabei ist das Vereinshaus jedoch nicht nur ein Ort ritueller und ausschließlich von Männern ausgeübter Handlungen, sondern durchaus auch einer der Begegnung. „Wir führen auch regelmäßige Gästeabende durch“, so Klaus Kieswimmer, „zu denen dann auch die Partnerinnen der Logenmitglieder ausdrücklich eingeladen sind, und die nicht in jedem Fall hochphilosophische, sondern durchaus auch stadtgeschichtliche Themen wie etwa die Leipziger Straßennamen und die sich dahinter verbergenden Freimaurer zum Inhalt haben können.“

Denn die Geschichte der Stadt sei eng mit dieser humanitären Bewegung, der sich auch Goethe, Scharnhorst und Tucholsky angeschlossen hatten, verbunden. Bereits 1741 wurde hier mit der Loge Aux trois compas (Zu den drei Zirkeln) eine der ältesten deutschen überhaupt errichtet, die 25 Jahre später ihren heutigen Namen erhielt, 1990 nach 55 dunklen Jahren wieder entzündet wurde und am Sonnabend ihre erste Buchloge veranstaltete

(Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 17. März 2008, Roger Dietze)

Zeichnung zur Buchloge

Br. Bastian Salier legte eine Zeichnung zur Buchloge auf. Die Zeichnung kann hier heruntergeladen werden.