Gründung der neuen Minerva

Text vom ehemaligen Meister vom Stuhl der Loge Minerva Br. Wilhelm Thies

Am 18.11.1990 eröffnete ich eine Tempelarbeit, an der der Großmeister, der Distriktsmeister und besuchende Brüder aus zwölf Logen teilnahmen, mit den Worten:

„Meine Brüder, wir wollen heute fünf Suchende aus Leipzig und einen Suchenden aus Hannover zu Freimaurern auf- und annehmen. Überrascht und erfreut erleben wir, daß freie Männer nach 55-jähriger Finsternis den unvergänglichen Wert der königlichen Kunst erkennen und zu einem wichtigen Faktor ihrer Umorientierung und Lebensgestaltung machen wollen. Wir reichen ihnen dazu brüderlich die Hand. Dieser symbolische Brückenschlag von Hannover nach Leipzig ist ein bewegender Vorgang; er ist auch ein Markstein in der Geschichte unserer geliebten Bauhütte. Wir werden das freimaurerische Licht wieder nach Leipzig tragen, einer Stadt mit großer freimaurerischer Tradition, und wir wissen, daß uns andere Bauhütten folgen werden.“

Im Anschluß an die Tempelarbeit fand in feierlichem Rahmen und mit den neuen Brüdern aus Leipzig die Gründungsversammlung statt, ein für alle Beteiligten erhebender Augenblick. Das Gründungsprotokoll lautet:


Gründungsprotokoll

Freimaurerloge „Minerva zu den drei Palmen“ Nr 07 i.Or. Leipzig

Nach den Grundsätzen der Freimaurerischen Ordnung, Gesetze Nr. 2 und 3, der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland und bestärkt durch den Beschluß der Loge

„Friedrich zum weißen Pferde“, Nr. 19, i.Or. Hannover

vom 6. November 1990 gründen die unterzeichnenden brüder am 18. November 1990 nach der ersten Aufnahme von Suchenden aus Leipzig eine Deputationsloge „Minerva zu den drei Palmen“ in Leipzig und geben ihr die beigefügte Satzung.

Die Gründungsmitglieder sind gewillt,

– Sinngebung und Sinnfindung im Leben freier Männer von gutem Rufe realisieren zu helfen,
– die durch Unrechtregime unterbrochene Tradition der ältesten Leipziger Loge wiederzubeleben,
– der Freimaurerei in Leipzig wieder zu ihrer alten Bedeutung zu verhelfen und
– durch Wiedererweckung der Freimaurerei in den neuen Bundesländern die geistig-kulturelle Einheit in Deutschland zu fördern.

Die Gründungsmitglieder geloben, mit Unterstützung durch die betreuende Loge „Friedrich zum Weißen Perde“, Nr. 19, i.Or. Hannover die Deputationsloge gemäß Gesetz Nr. 3 der freimaurerischen Ordnung der Großloge A.F.u.A.M.v.D. und „Gesetz über die Gründung und den Beitritt von Logen“ der VGLv.D. zu einer vollkommenen und gerechten Freimaurerloge zu entwickeln,

– jederzeit zum Wohle der Freimaurerei zu wirken,
– das Ansehen und die Bedeutung der Freimaurer und Freimaurerlogen in Deutschland zu mehren und
– die Weltbruderkette zu stärken.

Hannover, am 18. November 1990


Die Willenserklärungen und das Gelöbnis knüpfen an die Tradition an, nehmen aber auch eine zeitgeschichtliche Einordnung vor. Sie lassen ahnen, welche Begeisterung und welcher Schwung die Brüder beflügelte. Selbstverständlich fanden auch die Regularien, wie Beschluß der Satzung und Wahlen der Vorstandsmitglieder ihre Erledigung, so daß alle Erfordernisse für die Erteilung des Patents durch die VGL und die Eintragung in das Vereinsregister in Leipzig erfüllt waren.

Nachdem bereits im November 1989 eine Voranfrage bei der Großloge ergeben hatte, daß in Leipzig keine Kollision mit anderen freimaurerischen Aktivitäten zu befürchten sei, stellten wir jetzt den Antrag, die Deputationsloge „Minerva zu den drei Palmen“ zu genehmigen. Das klingt alles einfacher als es in Wirklichkeit war, denn das Antragsverfahren für das Errichten einer Deputationsloge im Osten war noch nicht so geläufig wie heute, und es bedurfte mancher Gespräche mit erfahrenen Brüdern und der Beratung durch den Vorsitzenden des Rechtsausschusses und des Bruders Großsekretär, bis alle erforderlichen Unterlagen bereit waren.

Schon bald lag unser Antrag der VGLvD vor und der Großsekretär, Br. K.M., signalisierte mir, daß Dekret und Placet sicherlich bis zu unserem Stiftungsfest im Januar 1991 vorlägen. Zunächst aber wollten die übrigen Suchenden aus Leipzig in die Freimaurerei aufgenommen werden. Das geschah in einer besonderen Tempelarbeit am Tage vor dem Stiftungsfest, so daß die Deputationsloge „Minerva zu den drei Palmen“ nunmehr bereits 13 Brüder aus Leipzig zählte.

Nächster Abschnitt – Beginn der ersten Arbeiten der Minerva