Feier des 250. Stiftungsfests der Minerva

Text vom ehemaligen Meister vom Stuhl der Loge Minerva Br. Wilhelm Thies

Den eigentlichen Geburtstag der Loge am 20. März begingen wir in der Weise, daß alle Leipziger Brüder zusammen mit drei, hannoverschen Brr. sich zu einem brüderlichen Mahl im Hochzeitssaal des Ratskellers der Stadt Leipzig zusammenfanden. In einer Ansprache an der gemeinsamen Tafel beleuchtete ich die Geschichte der „Minerva“ auf dem Hintergrunde der großen geschichtlichen Ereignisse in Deutschland. Wir tauschten Geschenke aus und freuten uns auf den 1. und 2. Juni 1991.

In dem reizvollen barocken Gohliser Schlößchen feierten wir an diesen Tagen das 250. Stiftungsfest mit Johannisfest, – ein großartiges Erlebnis für die Brüder dieser alten, neu erweckten Loge, aber auch für viele besuchende Brüder, unter ihnen zug. Großmeister Br. K.H. und Altgroßmeister Br.·. H.·. Z.·.. Ich eröffnete die Tempelarbeit u.a. mit den Worten:

„Stärker als die durch die Willkür bewirkte Unterbrechung hat sich der Wille erwiesen, in der ungezwungenen freien Menschlichkeit ein Leben zu führen, daß der Würde des Menschen gemäß ist. Dazu haben sich die Wiedererwecker der Loge „Minerva zu den drei Palmen“, nämlich die Brr. der Loge „Friedrich zum weißen Pferde“ und die Leipziger Brr.·. bekannt, die in unseren Bund aufgenommen wurden. Selbstverständlich hat sich auch für uns hannoverschen Brüder nach der Option für unser Vorgehen unsere Wahrnehmung der Probleme verändert. Aber wir müssen den Schlüssel dort suchen, wo er verloren ging, nämlich hier in den neuen Bundesländern. Nun segelt die Minerva, sie liegt gut vor dem Winde und nimmt Fahrt auf!“.

Die weiße Tafel mit einem kalten Büfett in dem unteren Saal des Gohliser Schlößchens vereinte mehr als 85 Brr. und Schwestern. Einen besonderen Beitrag lieferte Archivrätin Frau Endler vom Geheimen Staatsarchiv in Merseburg, indem sie eine lebhafte Schilderung ihrer Arbeit an 1.400 laufenden Metern Logenakten gab. Ein fesselnder Beitrag!

Im Mittelpunkt der öffentlichen Matinee am Sonntag-Vormittag, die von Musik festlich umrahmt war, stand der Vortrag unseres Alt- Großmeisters, Br.·. H.·. Z.·., „Wiederbelebung der maurerischen Geisteshaltung“.

Was mag wohl in unseren Leipziger Brüdern vorgegangen sein, die in knapp sechs Monaten geradezu in einem „Schnellkurs“ in Brauchtum und Geschichte der Freimaurerei eingeführt wurden und jetzt schon diesen Höhepunkt erlebten? Unweit des Gohliser Schlößchens steht im übrigen das Schiller-Haus, in dem Friedrich Schiller einige Wochen im Jahre 1785 wohnte und in dem er die Ode „An die Freude“ schrieb. Sie wurde vertont von seinem Freund Johann Gottfried Körner, der 1777 in die Loge „Minerva zu den drei Palmen“ aufgenommen worden war. Einen Faksimiledruck von 1796 mit dieser Ode konnten wir jedem Leipziger Bruder beim Bankett am 20. März als Geschenk überreichen.

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