Die Rückgewinnung des Logenvermögens

Text vom ehemaligen Meister vom Stuhl der Loge Minerva Br. Wilhelm Thies

In vielen Beratungslogen wie auch in Gesprächen und Verhandlungen spielte die Rückerstattung ehemaligen Logenvermögens eine hervorragende Rolle.

Die Loge „Minerva zu den drei Palmen“ besaß ein sehr großes Logenhaus in vorzüglicher Lage gegenüber dem neuen Rathaus der Stadt Leipzig. Das über 2.000 m2 große Grundstück Friedrich Ebert-Straße 1, vormals Weststraße 1 bzw. Hindenburgstr. 1, war von den Trümmern des ehemaligen Logenhauses geräumt, die Pleisse war verrohrt und das Grundstück in eine große Grünfläche einbezogen worden.

Bereits im August 1990 hatte Br.·. H.·. L.·. im Auftrage der Großloge und im Namen der Liquidatoren der gemäß der NS-Verfügung vom 17. August 1935 zwangsweise gelöschten eingetragenen Vereine (Freimaurerlogen) bei der Stadt Leipzig die Rückgabe der bebauten sowie unbebauten Logengrundstücke unter Bezugnahme auf die „Verordnung über die Anmeldung vermögensrechtlicher Ansprüche“ angemeldet.

Nachdem die Loge Minerva als Verein beim Registergericht Leipzig zugelassen worden war, wiederholten wir diese Forderung bei der Stadt Leipzig und erhielten unter dem 18.02.1991 den Bescheid, daß unsere Anmeldung registriert worden war. Der in Leipzig ansässige Br.·. E.·. K.·. wurde bevollmächtigt, in dieser Sache Verhandlungen mit der Stadt Leipzig zu führen. Er hat das unermüdlich und mit größtem zeitlichen Aufwand, mit Geduld und Zähigkeit über die Jahre hinweg getan, bis diesem Bemühen Erfolg beschieden war.

Zunächst aber mußten wir uns bemühen, ein Logendomizil zu finden, in dem die wachsende Loge, inzwischen war eine Aufnahme in Leipzig erfolgt und eine weitere stand bevor, ausreichend Platz finden würde. Mehr durch Zufall waren Leipziger Brüder darauf gestoßen, daß auf dem Grundstück Leibniz-Straße 3, ein Gartenhaus stand, das nach Aussehen und Einrichtung ein Logenhaus hätte sein können.

Tatsächlich handelte es sich um ein Logenhaus, das der Lipsia-Loge (Odd-Fellow-Loge) gehörte und das sie wieder in Besitz genommen und hergerichtet hatte. Im August 1991 konnten wir mit dem Obermeister der Odd-Fellow-Loge einen Nutzungsvertrag schließen, der uns erlaubte, gegen eine moderate Miete fortan in diesem Logenhaus zu arbeiten. Wir fanden einen in Freimaurer-Blau vorzüglich ausgestatteten neumöblierten Tempel vor, der auch die technischen Voraussetzungen für eine Logenarbeit vorhielt.

Er war groß genug, 60 oder mehr Brüdern Platz zu bieten. In diesem Hause haben nach unserer Vermittlung auch die übrigen in Leipzig arbeitenden Logen, nämlich die Loge „Zum weißen Bär“ und die Loge „Athene zur Einigkeit“ gearbeitet. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle das Auf und Ab der Verhandlungen um die Rückerstattung unseres Logeneigentums im einzelnen darzustellen – es wäre eine Geschichte für sich. Nur so viel sei gesagt: Das unablässige Bemühen, Recht zu erlangen, hat sich gelohnt. Im Tauschwege erhielten wir ein Grundstück mit einem denkmalgeschützten Gebäude an der Ferdinand-Lasalle-Str. 21. Seit Mai 1995 kann die Loge „Minerva zu den drei Palmen“ wieder in einem Logenhause arbeiten.

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