Verschollene Lortzing-Partitur des 100. Stiftungsfests der Minerva aus dem Jahr 1841 wiederentdeckt

Es ist eine kleine Sensation: Im Jahre 2013 wurde durch Zufall und glückliche Umstände eine noch nie öffentlich gespielte freimaurerische Lortzing-Partitur im Lortzing-Archiv der Landesbibliothek Detmold entdeckt.

Die Uraufführung der Lortzing-Komposition „Hört des Hammers Ruf ertönet“ war am 20. März 1841 zum 100. Stiftungsfest der Loge „Minerva“ in Leipzig.

Der begeisterte Freimaurer Albert Lortzing hatte die Musik dazu komponiert und sie als eines seiner besten Werke bezeichnet. Zur Uraufführung spielte Ferdinand Davos, Konzertmeister des Gewandhaus-Orchesters, Leipzig, die 1. Violine. August Ludwig Mothes, Meister vom Stuhl der „Minerva“, hatte die Kantate „gedichtet“, wie es im Notenbuch hieß.

Öffentlich wurde die Kantate noch nie gespielt, und es scheint wohl so zu sein, dass sie seit mindestens 170 Jahren überhaupt nicht mehr gespielt wurde. Recherchen ergaben, dass sich die Original-Kantate bis 1935 im Minerva-Archiv in Leipzig befand. 1935 wurde die Freimaurerei durch die Nationalsozialisten verboten, und so verliert sich die Spur und ließ sich auch in der Zeit der sowjetischen Besatzung nicht wieder aufnehmen. Als das Minerva-Archiv 1956 aus Moskau in die DDR zurückgeführt wurde, war die Lortzing-Partitur nicht mehr dabei. Bis in die 90er Jahre galt sie deswegen als verschollen.

Zufällig wurde eine Kopie im Lortzing-Archiv der Landesbibliothek Detmold entdeckt. Initiator einer erneuten Wiederentdeckung ist Walter Dietrichkeit aus Bad Pyrmont, der zusammen mit Prof. Klaus Pawassar die Detmolder Musikwissenschaftlerin Frau Dr. Irmlind Capelle aufgesucht hat. Walter Dietrichkeit schreibt: „Sie verschaffte uns auch die langgesuchte vollständige Partitur der großen Minerva-Kantate“ ( LoWV 49 ).

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Freimaurer Jens Oberheide mit dem Buch über die Lortzing Partitur (Bildquelle NDR s.u.)

Walter Dietrichkeit übergab die Partitur Jens Oberheide, dem 1. Vorsitzenden von PEGASUS – Freimaurerischer Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation e.V. Bayreuth, in der Hoffnung auf Sachverstand innerhalb der Künstlergruppe und, wenn möglich, auf Vermittlung einer öffentlichen Aufführung. Der Dirigent Maxim Böckelmann hat daraufhin die Partitur „gelesen“ und sie inhaltlich und künstlerisch kommentierend bewertet.

Besonders interessiert an einer Aufführung zeigte sich das Theater Osnabrück wegen der Verbindung Lortzings zur dortigen Loge. Für die Loge „Zum goldenen Rade“ hatte der Freimaurer Albert Lortzing (1801-1851) acht Freimaurer-Lieder komponiert.

Öffentliche Uraufführung in Osnabrück

Die öffentliche Uraufführung fand am 29. September 2014 in der Osnabrück-Halle statt und eröffnete die Konzert-Saison 2014/2015. Das Osnabrücker Sinfonieorchester spielte unter Leitung von Generalmusikdirektor Andreas Hotz. Es singt der Chor der Staatsoper.

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Uraufführung am 29. September 2014 in der Osnabrück-Halle (Bildquelle beim NDR s.u.)

Buchempfehlung: Lortzings Jubel-Kantate – Die Geschichte einer verloren geglaubten Partitur (von Jens Oberheide)

Leben und Wirken von Albert Lortzing (1801-1851), dem bedeutendsten Komponisten der „komischen deutschen Spieloper“, sind vielfach und vielfältig gewürdigt worden. Es gibt jedoch einen kulturhistorisch interessanten Teilaspekt, den bisher noch niemand näher betrachtet hat.

Erstmals steht die „Jubel-Kantate“ (LoWV 49), die Lortzing zum 100. Stiftungsfest der Freimaurerloge „Minerva zu den drei Palmen“ in Leipzig im Jahr 1841 komponiert hat, und die damals nur einmal (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) aufgeführt wurde, im Mittelpunkt einer Recherche.

Neben der Betrachtung der Zeitumstände des Entstehens und Verschwindens der Kantate „entschlüsselt“ der Autor die symbolträchtigen freimaurerischen Kantaten-Texte und gibt einen Einblick in Idee und Wirklichkeit der Freimaurerei zu Lortzings Zeiten. Dabei geht er auch auf Lortzings Wegbegleiter, Freunde, Künstlerkollegen und Freimaurerbrüder ein und betrachtet sie in der Verbindung zum Menschen und Musiker Albert Lortzing.

Die Geschichte der glücklichen Wiederentdeckung der „Jubel-Kantate“ erreicht mit der öffentlichen (Welt-)Uraufführung 2014 ihren Höhepunkt.

Quellenangaben und weiterführende Links: