Ausstellung im Eulenspiegelturm zeigt die Geschichte der Freimaurer in Bernburg – 03.11.2013

(Foto: Alexandra Koch)
(Foto: Alexandra Koch)

„Die Freimaurerloge ist kein Geheimbund“, beginnt Helmut Ehlert, 2. Aufseher – das heißt soviel wie stellvertretender Vorsitzender – der Loge „Alexius zur Beständigkeit“, seine Rede zur Eröffnung der neuen Ausstellung zur Freimaurerei im Eulenspiegelturm in Bernburg. Zur Vernissage, die am Sonntag stattfand, waren etwa 30 Interessenten erschienen.

Für den musikalischen Rahmen sorgte der Chor „Amici Carminis“ mit Leiter Sebastian Saß, der die 23 Stimmen auf dem Flügel begleitete. Sie ließen Stücke wie „Brüder reicht die Hand zum Bunde“, die als Hymne der Freimaurer gilt, erklingen.

Ausstellung erzählt lokale Geschichte

Museumsdirektor Roland Wiermann verwies in seiner Einführung darauf, dass es bereits eine Wanderausstellung zur Geschichte der Freimaurer gegeben hatte. Zum Anlass des Jubiläums „Anhalt 800“ war sie im Stadtarchiv Dessau und in Zerbst zu sehen. In Bernburg handele es sich indes um eine ansehnliche und repräsentative Anzahl von Dokumenten, die vor allem lokale Geschichte erzähle. Daniel Krebietke hatte maßgeblich daran mitgewirkt.
Fiktives Gespräch

Siegfried Westphal, der „Altmeister vom Stuhl“ – das ist der Titel des Vorsitzenden – ließ die Besucher schließlich an einem fiktiven Gespräch zwischen Herzog Alexius Friedrich Christian, der Namensgeber der Loge war, und Regierungsrat Kersten aus dem Gründungsjahr 1817 teilhaben.

Hier zeigte der Autor die vielschichtige Geschichte der Bruderordnung auf, die ihre Ursprünge in der Organisation der freien Steinmetze im Mittelalter gehabt hatte. Winkel, Wasserwaage, Zirkel und Lot, die heute vor allem symbolischen Charakter aufweisen, waren in der Vergangenheit das Handwerkszeug in den Werkstätten. Das Wort Loge bezeichne schlicht den Raum, in dem die Angehörigen der Bauhütten ihre Arbeit verrichtet hatten.

„Freie Männer von gutem Ruf“ sind die Angehörigen der Logen auch nach dem Dreißigjährigen Krieg gewesen. Freimaurer waren es ebenso, die bei der Formulierung der französischen und amerikanischen Verfassung mitgewirkt hatten. Das freiheitliche Gedankengut, das sie vertreten, war vielen Machthabern suspekt.
Anschauliche gestaltet

Die Ausstellung im Eulenspiegelturm widmet sich dem Wirken der Logenmitglieder in der Saalestadt. „Im 19. Jahrhundert waren die wichtigsten Männer von Bernburg in der Loge“, erklärte Siegfried Westphal. Exemplarisch sind Persönlichkeiten wie Emil Bunge, Franz Pietscher und Theodor Keßler genannt.

Allesamt hatten sie in der Tat Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. Alte Fotografien, Bekleidung, historische Schurze, die die hierarchische Stellung des Trägers in der Loge symbolisieren, sowie Medaillen, Abzeichen und Siegel sind Teil der Exposition, die einige Rituale der Bruderschaft nachvollziehen lässt.

Hagen Gebe aus Bernburg lobte die Ausstellung als „klein, aber fein“. Bereits der Weg in den Eulenspiegelturm sei ein Abenteuer und die Atmosphäre einen Besuch wert.

Die Ausstellung kann noch bis zum 15. Dezember besichtigt werden: freitags von 10 bis 13 Uhr, sonst täglich außer montags von 10 bis 16 Uhr.

Am Donnerstag, 28. November, um 18 Uhr, laden die Veranstalter ins Osttorhaus des Bernburger Schlosses ein. Zwei Logen-Mitglieder werden hier ein fiktives Wechselgespräch mit dem Gründer der Freimaurerlogen in Deutschland, Friedrich II., führen.

Quelle: http://www.mz-web.de/3397592

Die Spuren der Freimaurer in Bernburg sind seit 195 Jahren unverkennbar. Aber wer kann sie lesen?“, heißt es in einer Ankündigung. Wohl weniger bekannt ist, dass die Kreissparkasse Bernburg – heute Teil der Salzlandsparkasse – ihren Vorgänger in der Logensparkasse hatte. Es waren Bernburger Freimaurer, die die Kreissparkasse Bernburg auf Geheiß von Fürst Alexius Friedrich Christian 1823 gegründet haben. Die Sparkasse wurde von 1823 bis 1875 durch die Bernburger Freimaurer-Loge geführt und ging dann auf den Kreis Bernburg über.

Was erwartet die Besucher in der Ausstellung? „Es sind Schrifttafeln zur Geschichte der Bernburger Loge zu sehen und Persönlichkeiten, die zur Loge gehört haben“, erläutert Museumsdirektor Roland Wiermann.

Ausstellungsgegenstände

Außerdem wird die typische Kleidung gezeigt, die Freimaurer bei ihren monatlichen rituellen Treffen tragen: Schwarzer Anzug, weißes Hemd, weiße Krawatte oder Fliege, schwarzer Zylinder. Der Schurz der Lehrlinge ist aus Leinen, der Schurz des Meisters aus Leder. „Es ist ein Bezug auf die Dombauhütten“, erläutert Axel Seyer. Auch so genannte Kanonen-Klotzfüße werden gezeigt. Es sind Gläser mit massivem Sockel. Jeder Logenbruder hat sein Glas mit persönlichen Gravuren „Bei einer Tafel-Loge wird das Glas mit einem Trinkspruch auf den Tisch geschlagen“, erläutert Helmut Ehlert. Es klingt wie Donnerhall, wenn alle gleichzeitig ihr Glas aufschlagen.

In der Ausstellung sind auch so genannte Beamten-Abzeichen zu sehen. So hat der Schriftführer beispielsweise eine Metallfigur, die von zwei Federkielen gekennzeichnet ist. Auch der Zeremonienmeister, der heute als Ordner bezeichnet wird, hat eine spezielle Figur aus Metall.

Was ist wohl der Zweck einer Freimaurer-Loge in der Gegenwart? „Über die Jahrhunderte hinweg ist es Sinn und Zweck geblieben, dass Männer bei ihren Treffen Gespräche über freiheitliche Gedanken führen“, sagt Vorsitzender Axel Seyer. Freimaurer fühlen sich demnach weiterhin dem humanistischen Ideal verpflichtet. Sie sammeln auch Geld für Hilfsbedürftige. Das soll jedoch nicht nach außen getragen werden.

Am Donnerstag, 28. November, 18 Uhr, ist im Osttorhaus des Museums ein besonderer Dialog geplant. Dann führen zwei Logenbrüder ein fiktives Wechselgespräch mit Friedrich II (1712 bis 1786). Der „Alte Fritz“ gilt als Gründer der Freimaurer in Deutschland.

Quelle: http://www.mz-web.de/3396908