Stadtarchiv eröffnet Ausstellung über Freimauerei in Anhalt und Dessau eröffnet – 24.04.2013

Die Freimaurer verwenden viele Symbole in ihrem Brauchtum. Der „rauhe Stein“ steht für den Menschen, wie er ist, solange er nicht beginnt, an sich zu arbeiten. Symbolisch dafür steht der Mahlstein vom Burgwall Krakau (Ragösen). (Foto: Lutz Sebastian)
Die Freimaurer verwenden viele Symbole in ihrem Brauchtum. Der „rauhe Stein“ steht für den Menschen, wie er ist, solange er nicht beginnt, an sich zu arbeiten. Symbolisch dafür steht der Mahlstein vom Burgwall Krakau (Ragösen). (Foto: Lutz Sebastian)

Was haben der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, der Begründer der Homöopathie Christian Friedrich Samuel Hahnemann, der Dichter Friedrich Matthisson oder der Unternehmer Wilhelm von Oechelhaeuser und der frühere Dessauer Oberbürgermeister Ernst Ebeling gemeinsam? Sie alle sind anhaltische Persönlichkeiten. Und sie alle waren Freimaurer.

Ein Blick auf die illustre Geschichte der Freimaurerei in Anhalt und insbesondere auf Dessau wirft seit Montag eine neue Ausstellung im Stadtarchiv Dessau. Bis zum 7. Juni ist die Schau „Von Quebec bis Dessau – Anhalt und seiner Freimaurer 1783 – 2013“ in der Dessauer Langen Gasse 22 zu sehen.


Im Jahr 1875 wurde mit „Esiko zum aufgehenden Licht“ die erste Loge in Dessau gegründet. Die heute in der Stadt wieder bestehende Loge „Zu den drei Säulen“ entstand 1912.

Die Logen entwickelten sich – wie überall in Deutschland und weltweit – sehr schnell zu Sammelbecken vieler lokaler Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung, Militär, Wirtschaft, Kultur, Justiz, Medizin, Pädagogik und anderen Bereichen. Sie bildeten Gemeinschaften, in denen Toleranz, Brüderlichkeit, freies Denken und freies Forschen Förderung fanden. Und es gab in Dessau auch eine dritte Loge: die 1889 gegründete Anhalt-Loge des unabhängigen jüdischen Ordens „B’nai B’rith“ (Söhne des Bundes).

Allerdings entstanden die Dessauer Logen recht spät. Denn die Freimauerei in Anhalt hat eine weit ältere Tradition. Erdmannsdorff beispielsweise war 1759 in die Leipziger Loge „Minerva zu den drei Palmen“ aufgenommen worden. Die erste Loge in Anhalt entstand dagegen erst 1783 in Zerbst. Ihre Wurzeln lagen in Übersee – im kanadischen Quebec. Ausgerechnet der Soldatenhandel des Anhalt-Zerbster Fürsten trug zur Entwicklung bei. Die Anhalt-Zerbster Feldloge entstand 1779.

Der Entwicklung von damals bis heute kann nun im Stadtarchiv nachgespürt werden, wo zahlreiche Dokumente und Objekte der Geschichte und Gegenwart der Freimaurerei in Anhalt, mit ganz speziellem Augenmerk auf Dessau, ausgestellt sind.

Die Ausstellung, freute sich Uwe Dorand, Meister vom Stuhl (Vorsitzender) der Loge „Zu den drei Säulen“, entstand im Vorjahr zum Jubiläum Anhalt 800. Als erstes wurde sie im Zerbster Museum Am Weinberg gezeigt, mit dessen Hilfe vor allem die Schau zusammengetragen wurde, an der aber auch der Dessauer Peter König aufgrund seiner umfangreichen Recherchen zur Freimaurer-Geschichte Anteil hat.

Nun zum 800-jährigen Jubiläum von Dessau ist sie im Stadtarchiv zu sehen und wurde entsprechend aufgearbeitet. Viele Leihgeber, so Stadtarchivar Frank Kreißler, haben die Schau bereichert, darunter die Wissenschaftliche Bibliothek, die Anhaltische Gemäldegalerie, das Stadtgeschichts- und das Naturkundemuseum sowie die Auferstehungsgemeinde, aber auch Freimaurerlogen und Privatleute. Die Ausstellung, würdigte Oberbürgermeister Klemens Koschig, „macht mit einem Teil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt bekannt, der relativ unbekannt ist“.

Einen besonderen, durchaus auch dessau-spezifischen Blick auf die Freimauerei warf zur Eröffnung Jens Oberheide aus Hannover mit seinem Vortrag „Bauhütte. Loge, Bauhaus oder Baukunst und Lebenskunst“.

Öffnungszeiten Stadtarchiv Dessau, Lange Gasse 22: Dienstag und Donnerstag 8-18 Uhr, Mittwoch 8-16 Uhr, Freitag 8-14 Uhr, Montag nach Vereinbarung.

Quelle: http://www.mz-web.de/4633754