110. Stiftungsfest der Loge „Friedrich zur Standhaftigkeit“ in Halle/Saale am 03.11.2012

In Feststimmung (v.l.): Kapitelmeister Uwe Matthes, Großmeister Achim Straßner und Stadtmarketing-Chef Stefan Voß mit dem halleschen Logenmeister Uwe Rößler. (Foto: Meinicke)
In Feststimmung (v.l.): Kapitelmeister Uwe Matthes, Großmeister Achim Straßner und Stadtmarketing-Chef Stefan Voß mit dem halleschen Logenmeister Uwe Rößler. (Foto: Meinicke)

Um die Geheimbünde der Freimaurer spinnen sich viele Legenden. In Halle gibt es sie noch heute: Sogar zwei Logen des berühmten Männerbundes sind in der Saalestadt beheimatet.

Eine von ihnen besteht hier nun seit 110 Jahren. Zum Jubiläum der halleschen Johannisloge „Friedrich zur Standhaftigkeit“ gab man sich offen und modern. Gefeiert wurde am Samstag im Logenhaus in der Heinrich- und Thomas-Mann-Straße gemeinsam mit vielen Gästen – und auch die MZ war eingeladen.

In Halle, das bis in die 30er Jahre als Hochburg der Freimaurerei galt, gab es früher sogar fünf Logen mit rund 1 000 Brüdern, bis die Nazis ein Verbot verhängten. Heute existiert neben der Johannisloge in Halle nur noch die Freimaurerloge „Zu den fünf Türmen am Salzquell“.

Eine Loge ist einem Verein mit Vorsitzendem und Satzung nicht unähnlich. Die hallesche Turm-Loge hat 55 Mitglieder, gibt Großmeister Harald Wilke bereitwillig Auskunft. Bei der Johannesloge ist man da zurückhaltender. „Über lebende Freimaurer wird nicht gesprochen“, betont Logenmeister Uwe Rößler.

Uwe Matthes ist als Kapitelmeister höchster Freimaurer für den mitteldeutschen Raum und war zum Logen-Jubiläum nach Halle gekommen. Er sprach am Samstag über die Geschichte und die heutige Bedeutung der Freimaurerei: Im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt, waren Freimaurer ursprünglich ein elitärer Zirkel von Steinmetzen. Ihre Kunst zeigten sie beim Bau von Kathedralen; später wurden auch Nicht-Handwerker aufgenommen und der Charakter der Logen wandelte sich: „Die Suche nach der Vervollkommnung des Einzelnen wurde wichtiger“, so Matthes.

Klingt nach Philosophie. „Wir sind ein intellektuell anspruchsvoller Freundschaftsbund, bei dem es vor allem um Toleranz geht“, so Matthes. Ein Tabu gibt es: Über Politik und Religion darf bei den Zusammenkünften nicht gestritten werden. Denn sowohl Moslems, als auch Juden und Christen, Royalisten und Sozialisten gehören den Logen an.

Und was ist mit den geheimnisumwitterten Ritualen der Freimaurer? Ja, die gebe es. Darüber sprechen will aber niemand. Das ist sogar per Satzung geregelt: Die Verschwiegenheit sei eine der vom Freimaurer geübten Tugenden. Darunter fällt vor allem das interne Logenleben.

Kritik bekommen die Freimaurer oft, weil in den Logen keine Frauen mitarbeiten dürfen. „Wir grenzen Frauen nicht aus“, widerspricht Halles Logen-Chef Uwe Rößler. Bei Gästeabenden und gesellschaftlichen Veranstaltungen seien Damen willkommen, doch die sogenannte „Arbeit“, also die Gespräche und Gebräuche der Freimaurer finden hinter verschlossenen Türen nur für die Männer der Loge statt. Theoretisch sei es möglich, dass sich Frauen als eigene Damenloge abspalten – doch daran gebe es im Moment kein Interesse.

Nicht nur Logenbrüder, sondern auch Gäste waren am Samstag geladen. Zum Beispiel Stefan Voß vom Stadtmarketing Halle. Und auch eine Gruppe Mädchen und Jungen des Kinderheims Clara Zetkin saß unter den gut 80 Gästen im Saal – mit einer Trommeleinlage schlossen sie den Festakt ab. Als Dankeschön bekommen sie eine Spende der Loge.

Wer gern Mitglied bei den Freimaurern werden will, hat es nicht einfach. Bei der Auswahl neuer Brüder sind die Logen sehr pingelig. „Das Interesse ist sehr groß“, sagt Logenmeister Rößler. Was genau die Auswahlkriterien sind, da hält man sich bedeckt. Immerhin: Mindestens 21 Jahre alt muss man sein.

Quelle: http://www.mz-web.de/6693356

Bekannte Freimaurer in Halle

Bekannte Freimaurer in Halle waren unter anderem der Medizinprofessor Johann Christian Reil (1759-1813), der als Mitbegründer der modernen Psychiatrie gilt. Auf seinen Vorschlag hin erwarb die Degen-Loge den Jägerberg, um dort das Logenhaus zu bauen.

Ein weiterer Freimaurer von großem Bekanntheitsgrad war der Fabrikant Ludwig Wucherer (1790-1861). Wucherer, nach dem eine Straße in Halle benannt ist. Er war auch Stadtrat und Kämmerer der Saalestadt. Er engagierte sich vielfältig für die Allgemeinheit, vor allem für sozial schwacher Familien und war Mitglied der Loge „Zu den drei Degen“.

Der Bergwerksunternehmer und Brikettfabrikant Carl Adolph Riebeck (1821-1883) war ebenfalls Mitglied einer freimaurerischen Loge in Halle.

Quelle: http://www.mz-web.de/6681472