100. Stiftungsfest der Dessauer Loge „Zu den drei Säulen“ am 25.08.2012

In der Bauhaus-Aula beging die Freimaurerloge «Zu den drei Säulen» den Festakt anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums. Dabei wurde das Kammerspiel «Mein lieber Moses» uraufgeführt. (Foto: Thomas Ruttke)
In der Bauhaus-Aula beging die Freimaurerloge «Zu den drei Säulen» den Festakt anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums. Dabei wurde das Kammerspiel «Mein lieber Moses» uraufgeführt. (Foto: Thomas Ruttke)

Nicht nur „Anhalt 800“ wird in diesem Jahr gefeiert, sondern am Wochenende auch das Stiftungsfest der Dessauer Freimaurerloge „Zu den drei Säulen“. Denn die Loge blickt dann auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück, freut sich Uwe Dorand, Meister vom Stuhl der Loge.

Nicht nur intern unter den Logenbrüdern wird das Fest gefeiert, „auch die Öffentlichkeit ist gerne gesehen“, sagt Dorand zur MZ.

Besonderer Höhepunkt des Wochenendes wird der öffentliche Festakt am Sonnabend ab 15 Uhr im Bauhaus sein. Nach den Festansprachen von Dorand und Oberbürgermeister Klemens Koschig wird „Mein lieber Moses…“ seine Premiere erleben. Geschrieben hat das Kammerspiel um fiktive Schachplaudereien zwischen dem in Dessau geborenen Weltweisen Moses Mendelssohn (1729-1786) und dem Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) der Publizist Jens Oberheide.

Oberheide, 1. Vorsitzender von Pegasus, des freimaurerischen Vereins für Kunst, Kultur und Kommunikation, hat sich aus 138 Zitaten aus Textstellen und Briefen von Mendelssohn und Lessing eine Plauderei beim Schachspiel ausgedacht. „Die beiden gleichaltrigen Protagonisten haben sich beim Schachspielen kennengelernt, haben sich oft zum Spiel und zum Gedankenaustausch getroffen und sind ein Leben lang befreundet gewesen“, erzählt Oberheide.

„Natürlich ist nicht überliefert, was sie geplaudert haben. Aber so könnte es gewesen sein. Sie plaudern über die Kunst, das Glücksspiel, die Ungerechtigkeit, Gott und die Welt, über all die Alltage und Sonntage im Leben.“

Die Idee für das Stück entstand im Mai 2010, als die Freimaurerloge „Zu den drei Säulen“ Gastgeber für den Großlogentag der Freimaurer war, Vertreter von 267 Logen bundesweit nach Dessau kamen. Nun liegt das Stück gedruckt vor, wird es das Anhaltische Theater mit Intendant André Bücker auf die Bühne des Bauhauses bringen.

„Die Dessauer Theaterleute haben sich auch Musik dazu ausgedacht“, freut sich Oberheide. „Die Musik übernimmt einige Gedankengänge von Moses und Mendelssohn sphärisch und regt das Publikum an, sie weiterzuspinnen.“ Der Schriftsteller ist sich sicher: „Das wird eine spannende Sache.“

Kunst spielt bei der Festveranstaltung, zu der sich im übrigen auch die Lessinggesellschaft aus Hamburg angekündigt hat, eine zentrale Rolle, sagt Uwe Dorand. Denn durch den Künstler Cornelius Rinne wird eine Grafik zum Thema „800 Jahre Anhalt“ präsentiert, und feierlich an Oberbürgermeister Klemens Koschig übergeben. Die besondere Grafik wird in limitierter Auflage herausgebracht und kann ebenfalls erworben werden.

Br. Jens Oberheide (l.) und Uwe Dorand, Meister vom Stuhl der Freimaurerloge «Zu den drei Säulen», bei einem Vorbereitungstreffen zum Logen-Jubiläum. (Foto: Sebastian)
Br. Jens Oberheide (l.) und Uwe Dorand, Meister vom Stuhl der Freimaurerloge «Zu den drei Säulen», bei einem Vorbereitungstreffen zum Logen-Jubiläum. (Foto: Sebastian)

Den Festakt im Bauhaus musikalisch begleiten wird der Pianist Franck Adrian Holzkamp. Er wird auch am Abend im Logenhaus in der Ferdinand-von-Schill-Straße zu erleben sein, wo ab 19 Uhr mit den Künstlern Gabriele Heidelberger und Thomas Bierling eine Jam-Session zu erleben sein wird.

„Das wird eine Mischung aus Chanson und Musical, bekannten Melodien, aber auch eigenen Texten“, kündigt Jens Oberheide an, der den Abend moderieren wird. Interessenten sind hier gern willkommen, erklärt Uwe Dorand. Die könnten dann auch eine mit Werken von Julius Rinne und von Hans-Jürgen Zimmermann gestaltete Ausstellung betrachten.

Die geplante Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der Loge, kündigt Dorand an, wird von Oktober bis Dezember im Museum Zerbst zu sehen sein, denn das städtische Museum plant eine Ausstellung zu 230 Jahre Freimaurerei in Anhalt. „Zerbst“, erklärt Dorand, „bildet in Anhalt die Wiege der Freimaurerei.“

Jam-Session am Sonnabend im Logenhaus, Eintritt 15 Euro (inklusive Büfett). Anmeldungen bei Uwe Dorand, Tel. 0177 / 8945077

Quelle: http://www.mz-web.de/6748216

Wer sind eigentlich die Männer, die einmal im Monat in dunklen Anzügen das Logenhaus betreten? Uwe Dorand, einer von ihnen und Meister vom Stuhl der Freimaurerloge „Zu den drei Säulen“, lüftete am Sonnabend nicht nur dieses Geheimnis. In die historischen Bauhausaula hatte die Loge eingeladen zum Festakt anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens, dessen Höhepunkt die Uraufführung des Kammerspiels „Mein lieber Moses…“ war.

Lichteinbringung am 7.7.1912

Am 7. Juli 1912, so Dorand, wurde in die Dessauer Loge „Zu den drei Säulen“ das Licht eingebracht. Im Gebäude Steinstraße 58 / 59, das heute nicht mehr existiert, befand sich das Logenhaus. „200 Mitglieder hatten beide Dessauer Logen“, erklärte Dorand. Schon 1875 war die Dessauer Loge „Esiko zum aufgehenden Licht“ gegründet worden. Die Dessauer Unternehmer Polysius und Oechelhaeuser, der damalige Dessauer Oberbürgermeister, waren Freimaurer. Anhalt hatte neben den Dessauer noch vier weitere Logen (Zerbst, Bernburg, Köthen, Staßfurt) und viele berühmte Logenbrüder: Der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff zählte dazu, wie auch der Begründer der Homöopathie Christian Friedrich Samuel Hahnemann aus Köthen oder der Dessauer Dichter Wilhelm Müller.

Suche nach alten Zeugnissen

Die Dessauer Loge, die nunmehr ihr 100-jähriges Bestehen feierte, bestand aber nicht durchweg – sondern war 1935 von den Nazis verboten, das Eigentum beschlagnahmt und zwangsenteignet worden. Weshalb die 1994 wiedergegründete Loge heute nur über sehr wenig aus der damligen Zeit verfügt.

„Einige Gegenstände haben die Hitlerdiktatur und die DDR-Zeit überdauert“, freut sich Dorand, das einiges der Loge mittlerweile übergeben wurde. Alte Mitgliederverzeichnisse gehören dazu, aber auch eine alte Tasche mit Freimaurersymbolen, die eine Zörbigerin in ihrem Nachlass gefunden hat. Weshalb die Logen-Brüder hoffen, dass noch mehr Zeugnisse der Loge nicht nur existieren, sondern auch zu ihr zurückkehren, „denn sie sind für uns von großer Bedeutung“, so Dorand.

Dass die Freimaurer-Loge in diesem Jahr ihr rundes Jubiläum begeht, bezeichnete Oberbürgermeister Klemens Koschig als „besonderen Edelstein im Mosaik der Feiern und des Gedenkens im Rahmen 800 Jahre Anhalt“.

Denn die Freimaurerei gehöre zu den Dingen, auf die Anhalt stolz sein könne, gehe es dabei doch um stete Veränderung und stetes Arbeiten an sich selbst. Koschig, der die wichtigsten Stationen der Entwicklung Anhalts skizzierte und auf bedeutende Persönlichkeiten hinwies, sprach auch über den in Dessau geborenen bedeutenden jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, dessen Leitbild lautete: „Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun – das ist die Bestimmung des Menschen.“ Und dankbar sei er, sagte der OB, dass die Brüder Loge den Preis stiften für den Moses-Mendelssohn-Preis der Dessauer Moses-Mendelssohn-Gesellschaft. Die Preisübergabe soll im Rahmen des Kurt-Weill-Festes 2013 erfolgen.

Laut denken mit dem Freunde

Wer Mendelssohn war, welchen Gedanken er nachging, davon gab anschließend das Kammerspiel „Mein lieber Moses…“ einen tiefen Einblick. Dabei geht es um fiktive Plaudereien von Mendelssohn und dem Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing, die Schriftsteller Jens Oberheide in Szene gesetzt hat, und die vom Intendanten des Anhaltischen Theaters André Bücker (Moses) und Schauspieler Stephan Korves (Lessing) auf die Bühne gebracht wurden.

Begleitet von Zwischenmusik von Myra van Campen-Balint (Violine) und Thomas Kluge (Klavier). „Laut denken mit dem Freunde“, so der Untertitel des Kammerstücks, das vom Publikum (Stuhlmeister aus der gesamten Bundesrepublik, Vertreter der Lessing-Gesellschaft Hamburg, der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Dessau und andere) begeistert aufgenommen wurde.

Und abschließend, wer sind nun die Männer in den dunklen Anzügen? „Architekt, Versicherungskaufmann, Künstler, Angestellter… Familienväter und Ehemänner“, so Dorand, „Männer aller Couleur. Auf der Suche nach sich selbst und ihrer Wahrheit.“ Und das vereine die Freimaurer weltweit.

Quelle: http://www.mz-web.de/6918504