Verleihung des Kulturpreises Deutscher Freimaurer an Kurt Masur am 29.03.2012 im Gewandhaus Leipzig

Prof. Dr. h.c. Kurt Masur mit Frau und Großmeister Axel Pohlmann bei der Preisverleihung
Prof. Dr. h.c. Kurt Masur mit Frau und Großmeister Axel Pohlmann bei der Preisverleihung

Der 29. März 2012 mit der Preisverleihung an Kurt Masur ist auch für die Kulturressorts der online-Medien ein bemerkenswerter Tag gewesen. Die Würdigung dieses Ereignisses fand über dpa. u.a. im SPIEGEL, STERN und FOKUS ein entsprechendes Echo. Inzwischen haben ca. 40 große Tageszeitungen und auch ihre Regionalausgaben berichtet. Damit wurden ca.7 bis 8 Millionen Leserkontakte erreicht. Auch das ZDF und der MDR haben Fernsehbeiträge über die Preisverleihung gebracht.

InfoTVLeipzig berichtete mit einem Fernsehbeitrag über die Preisverleihung. (YouTube-Video öffnen)

Selten hat eine Preisverleihung der Freimaurer eine so große, bundesweite Medienverbreitung gefunden. Man darf daraus schließen, dass der hochgeehrte Preisträger Kurt Masur seine künstlerische Ausstrahlung keineswegs eingebüßt hat. Unvergessen bleibt die enge Beziehung zu seiner jahrzehntelangen Wirkungsstätte, dem Gewandhaus in Leipzig mit dem traditionsreichen Orchester von Weltformat, das Felix Mendelssohn-Bartholdy zu legendären Höhen als eines der besten im 19. Jahrhundert geführt hatte.

Kurt Masur, der Maestro auch internationaler Orchester, der „Kapellmeister“, wie er sich selbst in eigener Bescheidenheit titulierte, hat als Musiker und Bürger in schweren Zeiten Licht ins Dunkel weit über Leipzig hinaus getragen und neben seiner großartigen Botschaft vom Dirigentenpult als Mann des Friedens im politischen Feld seine Auffassung von Humanismus zur Geltung gebracht und die gewaltsame Konfrontation in Leipzig gegen Bürgerproteste zu verhindern gewusst.

Am Donnerstag, dem 29. März, verlieh die GL A.F.u.A.M.v.D. in einer würdevollen Feier, ausgerichtet im Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses, dem weltweit geachteten „Kapellmeister“ den Kulturpreis Deutscher Freimaurer 2012, dotiert mit 10.000 Euro für sein kulturschaffendes Lebenswerk und sein friedensstiftendes Engagement bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig 1989.

Mit dem „Mephisto-Walzer“ Nr. 1 griff Br. Ingo Dannhorn als Konzertpianist um 17:30 Uhr im Mendelssohn-Saal kräftig in die Tasten des Flügels und leitete musikalisch temperamentvoll die Feierstunde zur Preisverleihung ein. Es folgte die Anmoderation von Br. Peter Doderer, der als Zg. Großmeister die ersten Verbindungen zum Preisträger geknüpft und daraus eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut hatte, die mit dem Festakt ihren Höhepunkt fand. Überleitend übernahm Großmeister Axel Pohlmann das Mikrophon und würdigte in seinen Grußworten an das Auditorium, worunter sich von Seiten der Stadt Leipzig als Ehrengast der Bürgermeister und Kulturdezernent Michael Faber befand, den Preisträger in einer kurzen, aber herzlichen Ansprache. Nach weiteren Worten von Bürgermeister Faber, der aus vielen gemeinsamen Jahren in Leipzig den Preisträger besonders zu schildern verstand, betrat nun der Laudator Bernd Kauffmannn, ehemaliger Präsident der Klassik Stiftung Weimar und Generalbevollmächtigter der Stiftung Schloss Neuhardenberg, das Rednerpult.

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Der Laudator würdigte mit dem gestalterischen Fundus eines Sprachschöpfers, der alle Facetten seiner unnachahmlichen Deutung des Preisträgers auskostete, Kurt Masur als Menschen und Musiker, Humanisten und Weltbürger.

„Meine Damen und Herren, haben Sie dank für die Ehre, die Sie mir damit erweisen, dass sie mir nun ausgerechnet das lobende Wort auf einen Menschen erteilen, den ich zeitlebens immer wieder aus ferner Nähe und aus naher Ferne, als stiller Zaungast seines musikalischen Wirkens erleben und erhören durfte“, begann Laudator Bernd Kauffmann seine Festrede.

In expressiver Weise gelang es ihm, den hohen künstlerischen Rang des Preisträgers in seiner an extremen Herausforderungen verhafteten Zeit lebendig werden zu lassen:


 

„Wie wir aus seiner Biographie erfahren, stand sein Vater der Freimaurerei nahe, Kurt Masur selbst ist bekennender Christ. Aber freimaurerisch hin und christlich her: Dieser Kurt Masur hat stets zu seinen Überzeugungen gestanden – sei es, als man ihm seitens der staatlichen Stellen der DDR nahelegte, mit befreundeten, aber in den Westen emigrierten Künstlern, wie z. B. dem Violinvirtuosen Gidon Kremer, möglichst nicht zu konzertieren, sei es, als es galt, mit der Regierung der DDR zu verhandeln – angefangen von Fragen der Reisevisa bis zum erwähnten Bau des Neuen Gewandhauses, sei es, als am 9. Oktober 1989 der Leipziger Gewandhauskapellmeister alles in seinen Kräften Stehende tat, um ein Blutbad hier in Leipzig, der europäischen Musikstadt Bachs, Mendelssohns und Wagners zu verhindern.

Seine Initiative an diesem Tag verbindet sich mit der von tausenden Bürgerinnen und Bürgern am Beginn einer friedlichen Revolution, die die Ostdeutschen, deutscher Übung folgend, zwar ganz typisch nach Feierabend, aber immerhin ohne Bahnsteigkarte und ohne alle Assescoires eines heutzutage grassierenden geriatrischen Wutbürgertums in Gang und Szene setzten, und die wir uns selbst fast nicht mehr zugetraut hätten, weil sie in ihrem wirkmächtigen unblutigen Erfolg so untypisch erscheint angesichts unserer unglücklich und katastrophisch verlaufenen Nationalgeschichte, die uns immer noch beim Einswerden stetig ins Straucheln geraten lässt.

Nein, Kurt Masur hat in diesen Tagen nicht nur seine Furcht besiegt; das taten auch die Zehntausende auf der Straße am Ring, die im Wissen um die Gefahr für Leib und Leben Gesicht zeigten und demonstrierten. Mit ihrem Appell war die Gruppe um Masur vor allem zielgerichtet darum bemüht, das rechte Maß zwischen Mittel und Zweck in einer Situation zu finden, der dieses Land nach dem 17. Juni 1953 bis dahin niemals wieder ausgesetzt gewesen war.

Das rechte Maß finden aber heißt in das Begriffsverständnis freimaurerischer Ideale übertragen auch, daß man den Kategorien von Gerechtigkeit, Ordnung und sittlichem Handeln zu genügen hat.“


 

Er rühmte u. a. auch an Kurt Masur „die Nächstenliebe und Menschenzärtlichkeit“, ein Begriff, den der Laudator durch seine Festrede immer wieder anwandte und mit dem er den Geehrten besonders ans Herz rührte. Er schloss die eindrucksvolle Laudatio mit den Worten: „Wenn es eine der großen Pflichten der Kunst ist, uns immer wieder vor Augen zu führen, was uns alles fehlt, wenn wir alles haben, dann hat sich dieser Kurt Masur […] um Heimat und Musik zutiefst verdient gemacht.“

Laudator Bernd Kauffmann (ehemaliger Präsident der Klassik Stiftung Weimar)
Laudator Bernd Kauffmann (ehemaliger Präsident der Klassik Stiftung Weimar)

Nach dieser hingebungsvollen Laudatio* schallte stark anhaltender Applaus durch den Saal, dann erklang Franz Schuberts „Ungarische Melodie“ D817 mit Br. Ingo Dannhorn am Flügel.

Es folgte nun der spannende Höhepunkt des Festaktes: die Preisverleihung an Prof. Dr. h.c. Kurt Masur. Großmeister Axel Pohlmann bat den Preisträger aufs Podium, beide umstanden das Rednerpult (siehe Foto auf der rechten Seite). – Nach Übergabe der Urkunde und einer handgefertigten Kanone ergriff der Ausgezeichnete das Wort. Er führte u.a. aus, dass seine Beziehung zu den Idealen der Freimaurerei weit zurückreiche, denn sein Vater habe der Freimaurerei nahe gestanden. Ihm sei die „Königliche Kunst“ mit ihrer Auffassung von Humanität und Brüderlichkeit daher nicht fremd. Sein Verständnis und seine Verpflichtung aus seiner künstlerischen Aufgabe habe er stets in Bezug zum Mitmenschen, zum Gemeinwohl gesehen. In der „Zauberflöte“ sei ihm die Menschenliebe in der Gestalt des Sarastro künstlerisch zur Offenbarung worden. Dass dieses hohe Lied der Menschenliebe von Mozart auch im politischen Umfeld seine Wirkung gezeigt habe, schilderte Kurt Masur an folgendem Ereignis in der Komischen Oper, Ost-Berlin, wo er mit dem legendären Opernregisseur Walter Felsenstein zusammenarbeitete – kurz nach dem Mauerbau:

„Nie im Leben habe ich erlebt, dass ein ganzes Haus so denselben Geist widergespiegelt hat wie nach Sarastros Arie »In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht«. Nach dem Mauerbau diese Arie zu singen war sicherlich für den Sänger nicht leicht, aber als die Arie zu Ende war, ging er mit Pamina, die er versucht hatte zu beschützen, von der Bühne. Die Bühne war leer und der Applaus endete für fünf Minuten überhaupt nicht mehr.“

Rückblickend fasste er zusammen:
„Wir hatten nicht immer gute Zeiten in Leipzig, aber immer den Willen, es besser zu machen. Leipzig hat mich immer getragen, ich durfte immer derselbe bleiben. Danke dafür.“

Als Fazit seiner Auffassung eines Humanitätsideals verwies Kurt Masur erneut auf die Botschaft der „Zauberflöte“ mit dem Auftritt der drei Knaben im 2. Aufzug: „Bald prangt, den Morgen zu verkünden“ – als Zeichen der Hoffnung an die verzweifelte Pamina, als Zeichen der Zuversicht an unsere Schöpfung, in der mit jeder Verwandlung Neues entsteht.

Kurt Masur verließ das Podium, als Dank für die Preisverleihung und als Gruß an das Auditorium erklang auf einer CD dieses wunderbare Terzett, Mozarts Vermächtnis der Menschenliebe. Minutenlange „standing ovations“ eines zutiefst angerührten Auditoriums erwiesen dem großen Humanisten und Künstler Kurt Masur den Respekt für einen herausragenden Menschen, der in schlichten Dankesworten und mit seinem „musikalischen Glaubensbekenntnis“ die Herzen der ca. 160 Anwesenden erreichte – ein unvergessener Augenblick. Danke, Kurt Masur!

Br. Ingo Dannhorn ließ am Flügel die Feierstunde ausklingen. Da sich die Redaktion kurz fassen musste, wird eine Festschrift mit dem ungekürzten Wortlaut des Laudators Bernd Kauffmann, des Großmeisters u.a. ebenso wie die Wiedergabe der Dankesworte des Preisträgers erscheinen.

Quellen:

Presseberichte