Einweihung eines Gedenksteins der Freimaurer in Aschersleben – 18.11.2011

Dieter Ley, Tempelmeister der Freimaurer, weiht den neuen Gedenkstein im Logenhof ein. (Foto: Mario Pocklitz)
Dieter Ley, Tempelmeister der Freimaurer, weiht den neuen Gedenkstein im Logenhof ein. (Foto: Mario Pocklitz)

„Ich bin sehr stolz über die Ehrung meines Großvaters.“ Martin Just zeigt auf den 13 Zentner schweren, behauenen Stein. Dieser kubische Stein – ein Symbol der Freimaurer – hat nun auch einen Ehrenplatz auf dem Museumshof des Logenhauses – Johannisloge zu den drei Kleeblättern zu Aschersleben – bekommen.


Zugleich stellt ist er aber auch einen Gedenkstein für den Freimaurer Karl Just dar. „Mein Großvater Karl Just war der letzte Freimaurer in Aschersleben. 1934 wurden die Freimaurerlogen in Deutschland von den Nazis verboten. Die Häuser wurden geschlossen und enteignet. Das passierte auch hier“, erzählt sein Enkel Martin Just.

Sein Großvater habe damals nicht nur die Loge auflösen müssen, sondern er hat auch deren Ritualgegenstände mit nach Hause genommen und sie so vor den Nazis versteckt. „Das war natürlich sehr gefährlich, denn auch Freimaurer wurden von den Nazis verfolgt“, weiß Martin Just.

Das Logenhaus wurde dann an die Stadt veräußert. Mehrere Einrichtungen fanden im Laufe der Jahre dort ihr Domizil. Zum Beispiel das Wirtschaftsamt oder eine Berufsschule. Auch zu DDR-Zeiten hatten die Freimaurer nicht das Recht, ihre Loge wieder zu eröffnen.

Vielmehr wurde in der Zeit von 1952 bis 1955 dort das städtische Museum eingerichtet. 1963 starb Karl Just. Nicht aber ohne seinen Wunsch, die Ritualgegenstände, sofern es irgendwann gehe, wieder den Freimaurern zukommen zu lassen. 1992 und 1993 war es dann soweit. Die Freimaurer stellten Rechtsansprüche und bekamen ihr Logenhaus zurück.

„Wir hatten Glück, denn die Grundstruktur des Hauses hatte sich nicht verändert“, so Martin Just weiter. Auch der Tempel wurde am 2. Oktober 1993 wieder reaktiviert. „Mein Vater und ich gaben die Ritualgegenstände den Freimaurern zurück. Darunter auch die Bibel, die mit den Freimaurersymbolen versehen ist. Sie hat ihren Platz im Freimaurertempel bekommen.“

Auch Martin Just ist auf Wunsch der Brüder Mitglied der Freimaurerloge geworden. „Ich denke, mein Opa wäre sehr stolz auf mich, wenn er wüsste, dass ich nicht nur hier eingetreten bin, sondern auch sein Erbe angetreten habe. Denn ich halte auch Vorträge über Freimaurer. Dabei erwähne ich natürlich den letzten Ascherslebener Freimaurer“, lächelt Martin Just.

Der Stein wurde vom Logenmeister bei einem Steinmetz in Delmenhorst bestellt und auch abgeholt. „Vor vier Wochen wurde er hierher gebracht und die schwere Technik der Firma Burdinski half letztlich, um ihn an seinen Bestimmungsort zu bringen“, verrät er.

Quelle: http://www.mz-web.de/7701512