Renovierung des Tempels der Loge „Zu den drei Säulen“ in Dessau-Roßlau – 12.08.2010

Der Saal des Logenhauses in der Ferdinand-von-Schill-Straße 7 wird wiederhergerichtet, damit er künftig wieder als Tempel für die Freimaurerloge «Zu den drei Säulen» genutzt werden kann. Auch Dr. Peter König hilft bei den Arbeiten. (Foto: L. Sebastian)
Der Saal des Logenhauses in der Ferdinand-von-Schill-Straße 7 wird wiederhergerichtet, damit er künftig wieder als Tempel für die Freimaurerloge «Zu den drei Säulen» genutzt werden kann. Auch Dr. Peter König hilft bei den Arbeiten. (Foto: L. Sebastian)

„Die Farbe Blau wird eine wichtige Rolle spielen“, sagt Dorand, Meister vom Stuhl im Logenhaus. Noch aber sind die Wände zum Teil dreckig weiß oder pechschwarz und müssen gemalert bzw. mit blauen Samtstoffen verkleidet werden. Fenster wurden ausgewechselt, eine Mauer zum Raum nebenan durchbrochen.

Trockenbauarbeiten stehen an, ebenso Arbeiten an Elektrik und Parkett. Firmen werden gebunden, wie auch Eigeninitiative der Freimaurer gefragt ist. Und so arbeitet beispielsweise Dr. Peter König zur Zeit die alten Türen auf.


Eigentlich, bestätigen Dorand und Vorstandsmitglied Herbert Haase, sollte der Raum seine historische Form vollkommen zurückerhalten, denn noch ist das klassische Tonnengewölbe unter einer abgehängten Holzdecke verborgen. „Das Tonnengewölbe bleibt vorerst noch Vision, denn alles muss auch bezahlbar sein“, sagt Haase. Das Vorhaben werde aber nicht aus den Augen verloren.

Geschichte der Loge „Zu den drei Säulen“ in Dessau/Roßlau

Die Freimaurerloge „Zu den drei Säulen“ war am 7. Juli 1912 gegründet worden, sieben Jahre später erwarb sie das Grundstück in der Ferdinand-von-Schill-Straße und nutzte das frühere Offizierskasino als Logenhaus. 1935 von den Nationalsozialisten enteignet, war es fortan für die Hitlerjugend Versammlungsort. Nach dem Zweiten Weltkrieg in städtischer Nutzung, zog 1954 das Puppentheater ein, das nunmehr seit 2008 im Alten Theater sein neues Domizil hat.

Im Jahr 1994 wurde die Freimaurerloge „Zu den drei Säulen“ wiedergegründet und erfolgten die Rückübertragung des Logenhauses und erste Umbauten zur Nutzung durch die Loge. Nun wird sie in absehbarer Zeit ihren althergebrachten Tempel, wie die Freimaurer ihren Versammlungsraum nennen, nutzen können. „Wir wollen den Saal aber auch anderen Vereinen bereitstellen“, kündigt Uwe Dorand an.

Vorfreude herrscht bei den 47 Mitgliedern aus Dessau-Roßlau und Umgebung bereits darauf, dass ein Bildnis Karl von Madais im neuen Tempel seinen Platz finden wird. Es handelt sich um eine Dauerleihgabe des Freimaurermuseums in Bayreuth. Karl von Madai (1844-1934) war für viele Jahre als Meister vom Stuhl bei der 1875 gegründeten Dessauer Loge „Esiko – Zum aufgehenden Licht“ im Amt. Von Madai gehörte nach dem Ersten Weltkrieg zu den bekanntesten Freimaurern in ganz Deutschland. Er war nicht nur Ehrenmeister seiner Loge, sondern von 20 weiteren in ganz Deutschland, darunter auch der von Friedrich dem Großen gegründeten National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin und der zweiten Dessauer Loge „Zu den drei Säulen“. Nun sind die Dessauer Freimaurer auf der Suche nach Nachkommen des Mannes.

Gearbeitet wird von den Mitgliedern auch an einer Chronik der Loge. Wenn in zwei Jahren das 100. Jubiläum der Gründung gefeiert werden kann, soll es auch eine Ausstellung geben über die Logen in Bernburg, Zerbst, Köthen und Dessau. Und es soll dargestellt werden, welche Persönlichkeiten vor Ort in der Freimauerei wirkten.

Quelle: http://www.mz-web.de/7358826