Freimaurerloge «Alexius zur Bestaendigkeit» in Bernburg nimmt Arbeit nach 1935 wieder auf – 29.05.2010

Logenhaus in Bernburg (früher)
Logenhaus in Bernburg (früher)

Die Wiedergründung der Bernburger Loge erfolgt mit Hilfe von Freimaurern der Wernigeröder Loge „Zum starken Licht am Brocken“ / „Zur Eiche am Scharfenstein“, zu denen einzelne Bernburger schon seit Jahren Kontakte unterhalten.

Der Wernigeröder Vorsitzender Peter Reimer soll als „Meister vom Stuhl“ auch den Vorsitz der Bernburger Loge und die Vertretung nach außen übernehmen. Der Vorstand wird aus sieben Personen bestehen. Aus traditionellen Gründen nennen die Freimaurer die Namen ihrer Mitglieder nicht öffentlich.

Rund 160 Freimaurer aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland werden am übernächsten Wochenende in Bernburg erwartet. Sie werden sich bereits am Freitag, 28. Mai, im Staßfurter Theater bei einem literarisch-musikalischen Abend treffen. Künstlerisch soll dabei der Bogen zu den Freimaurern geschlagen werde.

„Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine wieder entstandene Loge aus Ostdeutschland als Pate einer anderen Loge in Ostdeutschland auftritt“, sagt Kai Mehliß. Der Bernburger hat die Öffentlichkeitsarbeit der Loge übernommen. In den Wintermonaten war bereits seit Dezember 1997 zu mehreren öffentlichen Vorträgen in das Restaurant „Alter Markt“ eingeladen worden.

Mit diesen Vorträgen wollen die Freimaurer auch künftig den Weg in die Öffentlichkeit suchen. Für die interne Logenarbeit werden hingegen Räume im Haus in der Einsiedelsgasse genutzt, das nach der Wende in den Besitz einer Stiftung übergegangen ist, die zur Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ gehört. Diese Mutterloge bildet den Dachverband für Freimaurerlogen in Deutschland.

Derzeit werden in der Einsiedelsgasse noch Sanierungsarbeiten durchgeführt. Der Hof wird neu gestaltet. Neben einem Clubraum, der für Freizeittreffen vorgesehen ist, wird das Parkett eines kleinen Saales neu geschliffen. Dort wird der Sitz des Tempels sein, in dem die Freimaurer zu ihren internen Sitzungen zusammen kommen.

„Alle 14 Tage wird die Arbeit im Tempel stattfinden“, kündigt Mehliß an. Eine Sitzung sieht so aus, dass die Brüder mit Musik in dem Tempel einziehen. Dann leitet der Meister vom Stuhl die Sitzung ein. Anschließend spricht ein geladener Redner über ein wissenschaftliches oder philosophisches Thema. Nach der etwa 45-minütigen Sitzung trifft man sich zum gemeinsamen Brudermahl.

Bei der feierlichen Lichteinbringung im geschlossenen Kreis am 29. Mai wird der Bundesdirektor der Großloge die „drei großen Lichter der Freimaurerei“ – Bibel, Winkel und Zirkel – übergeben. Mit einer Kerze wird der seit 1935 nicht mehr als Tempel genutzte Raum mit Licht erfüllt. Für die Frauen der Mitglieder wird ein Begleitprogramm organisiert. Am Nachmittag treffen sich dann alle im Bernburger Ausflugslokal „Paradies“.

„Wenn sich jemand für unsere Arbeit interessiert, meldet er sich über Internet oder durch persönliche Empfehlung“, sagt Kai Mehliß. Nach mehreren Vorgesprächen mit Brüdern wird gemeinsam entschieden, ob das neue Mitglied passt. „Uns geht es um unveräußerliche Themen wie die Menschenrechte“, sagt Mehliß. Politik oder Religion sollen außen vor bleiben. Auch Karrieristen oder Lobbyisten seien in dieser Runde nicht gefragt, lautet eine Orientierungshilfe.

Quelle: http://www.mz-web.de/7571344

Historie der Loge in Bernburg

Die Bernburger Freimaurerloge „Alexius zur Bestaendigkeit“ wurde am 27. Mai 1818 gegründet. Schon 1858 hatte die Loge 135 Mitglieder (Brüder). Im Laufe der Jahre waren es Kaufleute, Lehrer, Fabrikanten, Landwirte oder Apotheker, die zu den Freimaurern gehörten. Die Loge gründete 1823 die Sparkasse. Soziale Einrichtungen wie das St. Johannisasyl, das St. Johanniskrankenhaus, das Friederikenhaus Bernburg-Waldau und später das Friederiken-Stift konnten durch die Überschüsse der Sparkasse erheblich unterstützt werden.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war das Ende der Loge absehbar. 1932 / 33 hatten die Freimaurer noch 122 Brüder. Ende 1933 / 34 beschloss die Loge ihre Selbstauflösung, wurde aber von der Großloge angehalten, den Beschluss vorläufig zurück zu halten. 1935 erfolgte die Zwangsauflösung.

Am 7. Dezember 2007 trafen sich Freimaurer aus Wernigerode, von der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ und interessierte Bernburger, um die Wiedergründung der 1935 verbotenen Loge zu verabreden. Am 16. Oktober 2009 wurde die Gründungsversammlung in der Loge „Zum starken Licht am Brocken“ / „Zur Eiche am Scharfenstein“ in Wernigerode abgehalten. Die symbolische Lichteinbringung in der Einsiedelsgasse 6 a (Foto) ist am 29. Mai 2010.

Quelle: http://www.mz-web.de/7571338