125. Stiftungsfest der Loge „Zu den fünf Türmen am Salzquell“ in Halle/Saale am 29.05.2010

In seiner Amtstracht und vor dem «all sehenden Auge» der Freimaurerei gewährt Altstuhlmeister Guntram Seidler erstmals Einblick in den halleschen Freimaurertempel. (Foto: Lutz Winkler)
In seiner Amtstracht und vor dem «all sehenden Auge» der Freimaurerei gewährt Altstuhlmeister Guntram Seidler erstmals Einblick in den halleschen Freimaurertempel. (Foto: Lutz Winkler)

Mehr als 200 Gäste kamen am 18. Oktober 1885 nach Halle, um die Gründung der Freimaurer-Loge „Zu den fünf Türmen am Salzquell“ zu feiern. Die Räume der Loge im damaligen „Pfälzer Schützenhaus“ am Robert-Franz-Ring platzten damals aus allen Nähten, so dass ein Zelt angebaut werden musste.

Das wird wohl am kommenden Samstag, dem 29. Mai, kaum nötig sein, wenn die Loge im geräumigen Thalia-Theater die Gründung der Vereinigung vor 125 Jahren feiert.

Zu dem öffentlichen Festakt, der um 10.30 Uhr beginnt, erwarten die halleschen Freimaurer hohen Besuch: Den Festvortrag hält Großmeister Jens Oberheide. „Er ist der höchste Vertreter unserer Freimaurer-Richtung in Deutschland“, erläutert Alexander Geyer, der bei der Loge „Zu den fünf Türmen“ für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz – das seien die Ziele der Freimaurer, so Geyer. In Halle setze die Loge nach wie vor auf die Tradition, nur Männer aufzunehmen. „Aber etwa in Leipzig gibt es auch eine gemischte Loge“, weist Geyer auf die Modernisierung der Vereinigung hin, die ihren Ursprung in den Zusammenschlüssen mittelalterlicher Maurer an den Domhütten hatte.

In Halle, so Altstuhlmeister Guntram Seidler in einer Broschüre zur 120-Jahr-Feier 2005, hatten fünf Studenten bereits 1743 die erste Loge mit dem Namen „Zu den drei goldenen Schlüsseln“ gegründet. Diese löste sich bald wieder auf. Doch die 1765 neu gegründete Loge „Zu den drei Degen“ hatte einen solchen Zulauf, dass einige Freimaurer 1884 über die Gründung einer kleineren Loge nachdachten, in der wieder ein engerer persönlicher Kontakt möglich werden sollte.

Alle Formalitäten waren im Mai 1885 erledigt, so dass – und hierauf bezieht sich das Stiftungs-Jubiläum – am 8. Mai 1885 die Namenswahl durchgeführt wurde. Mit den „Fünf Türmen am Salzquell“ sollte nicht nur die Verbundenheit mit Halle ausgedrückt werden, sondern auch freimaurerische Ziele: Der Rote Turm steht für Freiheitssinn, die Hausmannstürme für alles Edle und die Freundschaft, die Blauen Türme für Religiosität und Idealismus.

Doch der Wunsch nach einer kleinen Loge sollte nicht erfüllt werden: Aus 15 Mitgliedern 1885 wurden 1910 schon 140. Die höchste Mitgliederzahl erreichte die Loge zwischen 1926 und 1928, wo 204 ordentliche Mitglieder verzeichnet waren. Einer der wichtigsten Brüder der Loge war der Fabrikant und Bauunternehmer Friedrich Kuhnt (1836-1927), der nicht nur hallesche Kinder- und Pflegeheime finanziell unterstützte, sondern der Loge ein Grundstück in der heutigen Kardinal-Albrecht-Straße 6 stiftete, auf dem 1886 / 87 ein großes Logenhaus gebaut wurde (heute Thalia-Theater).

Nach dem Verbot der Freimaurer in der Nazizeit und während der DDR wurde das Haus im Jahr 2000 an die Loge rückübertragen und 2002 der Gesellschaft der Freunde des Thalia-Theaters überlassen.

Das Stiftungsfest beginnt am Samstag, 29. Mai um 10.30 Uhr im Thalia-Theater (Kardinal-Albrecht-Straße 6).

Die Loge im Internet: http://www.zu-den-5-tuermen-am-salzquell.de

Quelle: http://www.mz-web.de/7812528