Freimaurer planen Neubeginn in Bernburg – 13.11.2008

Aus diesem Grunde hat sich eine Reihe namentlich nicht genannter Bernburger mit der dortigen Loge „Zum starken Licht am Brocken“ / „Zur Eiche am Scharfenstein“ in Verbindung gesetzt, die bei der Öffnung der Loge als Mutterloge fungieren soll.

In den vergangenen Wochen war der Wernigeröder Peter Reimer zu drei Vorträgen in Bernburg, um in dem Logengebäude in der Einsiedelsgasse, das heute der Großloge „Zu den drei Weltkugeln“ gehört, Vorstellungen und Hintergründe zu vermitteln. Reimer ist der so genannte „Meister vom Stuhl“ der Wernigeröder Loge.

„Diese Funktion entspricht einem Vereinsvorsitzenden“ erklärte der Referent in einem Gespräch mit der MZ. Nach seiner Übersicht existieren gegenwärtig in Sachsen-Anhalt zwölf Freimaurerlogen. Für Außenstehende klingt die über Jahrhunderte bewahrte Terminologie recht ungewohnt. Mitglieder der Loge können nur Männer werden, die von einem Bürgen empfohlen werden. Die Aufnahme wird durch eine Abstimmung unter den Mitgliedern bestätigt. Männern ist auch die so genannte „Tempelarbeit“ vorbehalten. Es handelt sich dabei um einen regelmäßigen Termin mit vorgegebenem Ablauf, bei der der Meister mit zwei Assistenten – den „Aufsehern“ – ein frei gewähltes Thema erörtert.

„Freimaurer sind nur dem Diesseits verpflichtet, nicht dem Jenseits“, nennt Peter Reimer ein Kriterium. Im Laufe der Jahrhunderte gehörten viele zu den Freimaurern, die sich einer freien geistigen Entwicklung wie ethischer Verantwortung verpflichtet fühlten. Goethe, Lessing, aber auch die Gründerväter der amerikanischen Verfassung zählen dazu. In der Gegenwart bekennt sich der sozial engagierte Schauspieler Karl-Heinz Böhm offen als Freimaurer. Viele Mitglieder ziehen es dem Vernehmen nach hingegen vor, lieber anonym zu bleiben.

Die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Glaubensgemeinschaft soll für Freimaurer keine Rolle spielen. Bei den gemeinsamen Treffen seien Streitgespräche über religiöse oder politische Themen nicht erwünscht, erläutert Reimer.

Untereinander reden sich Freimaurer als „Brüder“ an, wobei eine klare Hierarchie zwischen Meister, Gesellen und Lehrlingen besteht. Zur Öffnung einer Loge sind neun Meister erforderlich. Da sie in Bernburg noch nicht verfügbar sind, werden diese Personen als Starthelfer aus anderen Logen hinzugezogen. Später sollen sich diese Gründungshelfer wieder zurückziehen.

Kontakt zu den Initiatoren der Freimaurer-Loge über die Mail-Adresse postfach@alexius-zur-bestaendigkeit.de

Quelle: http://www.mz-web.de/7959422

Historische Hintergründe

Die Freimaurer-Loge „Alexius zur Beständigkeit“ wurde 1817 gestiftet. Im Jahre 1852 wurde das Logenhaus in der Großen Einsiedelsgasse Nummer 6 in Bernburg gegründet. In seiner besten Zeit soll die Loge bis zu 250 Mitgliedern gehabt haben. Als die Loge in den Jahren 1934 / 1935 von den Nationalsozialisten zwangsaufgelöst wurde, hatte sie 134 Mitglieder. Diese Angaben sind einer Erinnerungstafel zu entnehmen, die an dem Logengebäude in der Einsiedelsgasse angebracht ist.

Während in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Freimaurer-Logen wiederbelebt wurden, blieben sie in der DDR verboten. Nach der Wende fiel das Gebäude in der Bernburger Einsiedelsgasse zurück an die Freimaurer, die von der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ vertreten wird. Die Loge vermietete das Gebäude weiter an die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis, die seit dieser Zeit die Räume für ihre Jugendarbeit nutzt. Im Herbst dieses Jahres sind nun erstmals Überlegungen bekannt geworden, die Loge „Alexius zur Beständigkeit“ im nächsten Jahr wieder zu öffnen.

Quelle: http://www.mz-web.de/7959506