Ausstellung „Zeichen und Griffe“ im Stadtmuseum Halle ab 25.10.2005

Was die Kuratorin Cornelia Zimmermann zum 120. Gründungsjubiläum der Loge „Zu den fünf Türmen am Salzquell“ unternimmt, gleicht – um im Bereich einer rätselschwangeren Geometrie zu bleiben – der Quadratur des Kreises. Denn selbst wenn die um 1715 in London etablierten und mit einer ersten Hamburger Gründung 1737 nach Deutschland importierten Logen auf ihre großen kulturhistorischen Traditionen verweisen können, schöpfen sie ihre Lebenskraft bis heute aus der Gegenwart der Versammlungen und Rituale.

Dass sich solche Prozesse nur schwer ausstellen lassen, bleibt ein Problem – das man in Halle auf engem Raum jedoch bestmöglich löst.

Wie ein Suchender, der um Aufnahme in eine Loge bittet, wird der Gast hier zunächst über die allgemeine Geschichte der Freimaurerei belehrt. Schon dabei findet er – neben Verweisen auf prominente Vertreter der aufklärerischen Zirkel, zu denen Künstler wie Lessing, Goethe oder Mozart gehörten – erste Artefakte aus der lokalen Tradition. Dazu zählen die Leuchter der 1743 als erste hallesche Loge „Zu den drei goldenen Schlüsseln“ gegründeten und wenig später in „Philadelphia“ umbenannten Bruderschaft, die sich anhand zeitgenössischer Quellen bereits auf 1744 datieren lassen und die drei sozialen Säulen von Lehr-, Nähr- und Wehrstand repräsentieren.

Auf dem Weg zur konkreten Freimaurer-Geschichte Halles passiert man Teile einer Tempel-Einrichtung, die Werkzeuge und Uniformen der spirituellen „Arbeit“ – und jenen Grafik-Zyklus der „neu und aufrichtig entdeckten Gebräuche der Freymäurer“, aus dem sich ein Großteil der Vorurteile über die vermeintliche Weltverschwörung speiste.

Weil die Kandidaten mit dem Ernst ihrer Entscheidung konfrontiert werden sollten, spielten Metallklingen und Zirkelspitzen bei der Initiation eine Rolle – was Gerüchten über blutrünstige Bräuche Vorschub leistete.

Dass aber ausgerechnet Diktaturen wie der Nationalsozialismus und auch die DDR jene Verbindungen fürchteten, hinter deren Mystik sich eine Mischung von Eigensinn und Gemeinnutz verband, könnte man rückblickend als Beweis für die Relevanz ihres Wirkens lesen. Auch dass diese bündlerischen Gemeinschaften ihr elitäres Selbstverständnis nicht durch marktschreierische Mitgliederwerbung aufweichen wollten, muss man nicht negativ sehen. Untereinander erkannten sie sich – an Uhren, Tabatieren und anderen Accessoires – auch in der Öffentlichkeit.

Mitten im Leben

Dass sie mitten im Leben standen, beglaubigt – neben den steinernen Zeugnissen in Halle, darunter das spätere Tschernyschewski- und das Puschkin-Haus – auch die Liste der Mitglieder, zu denen prominente Mäzene, angesehene Unternehmer und Wissenschaftler zählten.

Die Freimaurer, die in ihrer Blütezeit fünf Logen in Halle unterhielten und nach der Wende auch hierzulande wieder Fuß gefasst haben, stehen als Interessens-Gemeinschaft von Gleichgesinnten durchaus Modell für moderne Netzwerke. Auch darum wäre es wünschenswert, wenn man der sehenswerten Schau eine adäquate Publikation zur Seite stellen würde.

Ausstellung bis zum 5. März, Montag bis Sonntag 10-17 Uhr

Quelle: http://www.mz-web.de/9281308 ©2016